Reicht Gott mein Bekenntnis nicht mehr -braucht er mein „Vollbewußtsein“ zum Wirken?

Der Papst wird heute hier so zitiert:

Ehenichtigkeitsverfahren sollte nach Ansicht von Papst Franziskus künftig verstärkt geprüft werden, ob sich die betreffenden Paare der Bedeutung dieses Sakraments zum Zeitpunkt der Eheschließung voll bewusst waren. Ein Kirchenrichter müsse stets den „Zusammenhang der Werte und des Glaubens oder deren Mangel oder Abwesenheit“ berücksichtigen, wenn er eine Eheschließung untersuche, sagte der Papst am Freitag beim traditionellen Empfang für die Richter der Römischen Rota im Vatikan.

Da es um ein Sakrament geht: dürfen wir dann auch auf ähnlich Worte in bezug auf Firmúngen, aber auch in bezug auf Priesterweihen erwarten? Was ist denn bei einem Priester, der sich zum Zeitpunkt der Weihe der „Bedeutung des Sakraments nicht voll bewußt“ war, zum Beispiel,  daß er alle, die nach dem kirchlichen Gesetz nicht eines Sakramentenempfangs würdig sind, soweit ihm das bekannt ist, auschließen muß?

Wie konnte es denn bitte so kommen, daß so viele Ehen bei „Glaubensdefiziten“ dennoch von Priestern sakramental geschlossen wurden? Wenn diese Defizite anscheinend lang im Nachhinein per Ferndiagnose attestiert werden können, warum konnten sie das dann nicht direkt im Vorgespräch bei persönlichem Kontakt? Ob Brautleute wenigstens eine rudimentäre Verwurzelung im Katholischen haben, läßt sich locker plaudernd ohne jede inquisatorische Attidüde in fünf Minuten feststellen und zwar ganz objektiv.

Wenn es also ein Problem mit „Mangel oder Abwesenheit des Glaubens“ beim Empfängnis eines Sakramentes gibt, fangt bitte bei dem der Priesterweihe an, denn es sind Priester, die eben diese nun als durch „Glaubensdefizite“ in den Verdacht der Ungültigkeit gerückten Ehen segneten. Sei es aus eigener Glaubensferne oder Menschenfurcht.

Jedenfalls: es wäre besser, bei den Ursachen der Misere anzusetzen, statt bei Symptomen und Opfern.

Mit dieser Rhetorik jedenfalls, mag sie oft im Konkreten freilich unter Negierung der wahren Ursachen durchaus zutreffend sein, besteht nicht nur die Gefahr einer weiteren Relativierung der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, sondern die der Relativierung der Sakramente überhaupt.

„Dein Glaube war zum Zeitpunkt des Empfangs zu schwach“ ist als Agument nur zulässig, wenn es unmittelbar vor dem Empfang konstatiert wird. Im Nachhinein kann es nur Gültigkeit haben, wenn diesbezüglich nachweislich von Beteiligten vorsätzlich getäuscht, also etwas anderes vorgetäuscht wurde. Als rückwirkender ferndiagnostischer „Sakrementalstorno“ -nch welchen Kriterien eigentlich?-  öffnet es aller Willkür Tür und Tor und muß sich in dem Fall dem Verdacht stellen, juristisch spitzfindiger Vorwand für eine „Scheidung auf katholisch“ zu sein.

 

 

 

 

 

 

Über clamormeus

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11 Antworten zu Reicht Gott mein Bekenntnis nicht mehr -braucht er mein „Vollbewußtsein“ zum Wirken?

  1. estersimplicia schreibt:

    Ich muss ehrlich sagen, seitdem ich die Diskussion verfolge frage ich mich wie das denn nun ist mit den Sakramenten?
    Weil ich bislang dachte, wenn man ein Sakrament unrechtmäßig empfinge, dann würde man sich dadurch versündigen, außer wenn man Opfer arglistiger Täuschung würde.
    Was nun die Ehe anginge so dachte ich bislang immer Annnulierung beträfe unzüchtige Ehen, die aufgelöst werden müssten, also die Ehe des Herodes mit der Herodias, Polygamie (war Thema in der Afrika MIssion, wo der Bekehrte eben seine Frauen (bis auf eine) entlassen musste, aber immer noch für diese und seine Kinder finanziell zuständig war).
    Heute müssten gleichgeschlechtliche Ehen im Fall einer Bekehrung natürlich gelöst werden.
    ALso annulliert wurden Verbindungen die gar nicht verheiratet werden konnten.

    Das sakramental geschlossene Ehen was ja die obigen alle nicht waren und sind, annulliert wurden das tauchte (hat uns unser Relilehrer damals erklärt) auf nach dem 2. Weltkrieg udn zwar wenn da jemand verheiratet war, der Mann als gefallen erklärt wurde, die Witwe nochmal heiratete und der Toderklärte plötzlich wieder vor der Tür stand.

    Es hat auch immer wieder Fürsten gegeben, die ihre Frau gegen ein jüngeres Modell tauschen wollten und dafür gerne den Segen der Kirche wollten, das Kriterium das die Anullierung ermöglichte, war immer der Nichtvollzug der Ehe.
    Mag sein, das man da manchmal etwas gefakt hat, aber genauso ist Fakt anulliert wurden nur Ehen, wo keine Kinder da waren, die das Argument des NIchtvollzugs widerlegt hätten.

    Man kann es drehen und wenden wie man will, an einer anullierten Ehe muss ja auch einer schuldig geworden sein, entweder durch Täuschung, durch Versäumnis, durch sostwas, dieser Aspekt wer denn da „perlen vor die Säue geworfen hat“ sprich Schindluder getrieben hat, der interessiert scheinbar gar nicht, so dass mir die ganze Anulliererei, wie der Versuch sich dieser Welt anzugleichen.

  2. Frischer Wind schreibt:

    http://www.erzbistum-muenchen.de/Page000295.aspx
    Wie kann man zu all dem sein Ja-Wort geben, wenn man nicht daran glaubt?

    Die Gültigkeit des Sakraments abhängig zu machen von der Disposition des Spenders bzw. des Empfängers (bei der Ehe spenden sich die Eheleute ja gegenseitig das Sakrament) ist m. E. höchst fragwürdig. Für die Gültigkeit ist ausreichend, dass die Brautleute getauft sind und das Sakrament in der Form gefeiert wird, wie es die Kirche vorschreibt.

    Katechismus der katholischen Kirche:
    1128 Dies ist der Sinn der Aussage der Kirche [Vgl. K. v. Trient: DS 1608], daß die Sakramente ex opere operato [wörtlich: „aufgrund der vollzogenen Handlung“] wirken. Das heißt, sie wirken kraft des ein für allemal vollbrachten Heilswerkes Christi. Daraus folgt: „Das Sakrament wird nicht durch die Gerechtigkeit des Menschen, der [das Sakrament] spendet oder empfängt, sondern durch die Kraft Gottes vollzogen“ (Thomas v. A., s. th. 3,68,8). Sobald ein Sakrament der Absicht der Kirche gemäß gefeiert wird, wirkt in ihm und durch es die Macht Christi und seines Geistes, unabhängig von der persönlichen Heiligkeit des Spenders. (…)

    Ich stimme Dir absolut zu, dass es wichtiger bzw. sinnvoller wäre, bei den Ursachen der Misere (hier also des mangelnden bzw. fehlenden Glaubens) Abhilfe zu schaffen. Und ja, wenn dieses Prinzip der nachträglichen Behauptung mangelnden oder fehlenden Glaubens als Indiz für die Nichtgültigkeit eines Sakramentes Schule machen würde, so würde damit der Grundsatz „ex opere operato“ aufgegeben. Das ist nicht wenig…

    • estersimplicia schreibt:

      Danke! Frischer WInd es hat vor allem noch eine andere. m. E gefährliche Implikation:
      UM es etwas schlampig auszudrücken, Wer weiß denn schon vor der Ehe auf was er sich einlässt. Wer weiß denn schon vor der Priesterweihe auf was er sich einlässt. Wer weiß denn schon vor der Taufe auf was er sich einlässt. bzw in was für ein Schicksal (sieht man ja gerade im Irak und Syrien was Christenschicksal sein kann).
      ALso wenn ich eine irakische Christin wäre und genau gewusst hätte, es kommt dahin, dass dir einer das NUn Zeichen an die Tür pinselt und wilde Horden deshalb kommen und euch plündern, die Mädchen, verschleppen……. Ich weiß nicht, ob ich dann nicht versucht hätte dieses durch Nichttaufe zu verhindern, obwohl das der IS ja wurscht ist, aber die Chance davon zu kommen ist als NIchtchrist in diesen Gegenden echt höher!)

      Was ich sagen will, ist, man weiß nicht was der Gehorsam die Treue zum Herrn ganz konkret kostet, man ist sozusagen immer unwissend, unreif, und ja man wird erst im „sich EInlassen auf den Herrn“ wie das so im modernen Jargon heißt reif.
      VOn daher fragen sich manche „Ja lebe ich vielleicht sogar in einer ungültigen EHe, was ja verkehrt wäre, weil eine ungültige EHe ist ja sozusagen SÜnde, ein Zustand der beendigt werden müsste………………………weil wie gesagt, man ist meist jung und blöd und verleibt, die Himmel hängt voller Geigen, wenn man da vor dem Traualtar steht. Würde man warten bis man alt, vernünftig und rational geworden ist, täte man so spät heiraten, dass es mit dem zweiten Ehezweck (den Kindern) sowieso nichts mehr werden täte.
      Sprich man heiratet im Grunde im Vertrauen auf die Zusage Gottes,. der einem schon wandern lässt dich finstere Schlucht und sein Stock und sein Stab geben dir Zuversicht….
      Ich persönlich fidne das was aktuell läuft würdelos und ein Armutszeugnis für die Kirche, die einfach mitmacht bei dem gesamtgesellschaftlichen Einschlagen auf die Ehe, dem .Mitmachen bei der Auflösung der EHe durch die Frauenförderung, weil das nichts anders bedeutet, als die Mütter, genau dann, wenn sie gebraucht werden, von den Kindern fernhalten (Und jeder der in einer Krippe arbeitet, sagt das führt zu Hass der Kinder auf die Eltern, Hospitalismus und und und).
      Sprich die Kirche hat sich, von AUsnahmen abgesehen nicht vor die Familien gestellt und versucht jetzt noch durch die Freigabe der Scheidung, die man vornehm Anullierung nennt, die Augen weiter geschlossen zu halten.

    • clamormeus schreibt:

      Danke für das Zitat aus dem KKK. Und wieder landet man beim status quo: die „Absicht der Kirche“ kann demnach ja auch nur durch Täuschung etc. unterlaufen werden, wie stark der Glaube der Brautleute ist, tut also nichts zur Sache, die Absicht reicht.

      @Ester
      Ja, auch jenseits dieser von Dir genannten ganz erschreckenden möglichen Prüfungen, angesichts derer ich, ereilten sie mich, auch nicht auf mich wetten würde, es scheint so, daß selbst in der Kirche dem Menschen das Einstehen für ein Gelübde schlicht nicht mehr zugetraut, bzw. das Wort Christi, sein Joch sei für niemand so schwer, daß er es nicht tragen könne, angezweifelt wird.
      Und umgekehrt: ich kenne genügend Ehepaare, in denen der Glaube keine große Rolle spielt, und die dennoch sonstwas gemeinsam überstanden haben und die glücklich darüber sind und Gott danken,

  3. Tarquinius schreibt:

    Ups, ich sehe gerade erst, dass einiges, was ich geschrieben habe, andere Kommentatoren schon anmerkten. Jetzt habe ich es aber schon bei mir eingestellt, da es ein wenig in die Länge ging:

    http://denzinger-katholik.blogspot.de/2015/01/noch-einmal-die-vielen-ungultigen-ehen.html

    • clamormeus schreibt:

      Ich danke Dir erstmal für die ausführlichere Antwort wie auch für Deinen ersten Post zum Thema.
      Auch ich bin sicher, daß die Kirchenrichter „einen guten Job machen“; letztlich geht es aber in diesem Fall darum zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Eheschließung ein damals vorliegendes Ehehindernis im Verborgenen blieb, Nicht mehr, nicht weniger.
      Und da erscheint mir die Kategorie „Abwesenheit von“ oder sogar nur „Mangel an“ Glauben als höchst schwammige,

      Dann, das hast Du ausgeführt, sagt man ja bei der Trauung im Grunde letztlich nur „vor Gottes Angesicht nehne ich dich zur Frau/zum Mann“ und das gilt „bis der Tod uns scheidet“. Was bitte könnte einem daran nicht richtig bewußt sein? Auch hier gilt: evtl. wurde entweder eine bewußte Täuschung nicht offenbar, oder eine Nötigung, oder eine Unzurechnungsfähigkeit, ansonsten gilt dieses Versprechen und damit auch die Ehe.

      Die zitierte Rede vom „vollen Bewußtsein“ impliziert dagegen über das Konkrete hinaus Dinge wie etwa ein volles Durchdringen der kirchlichen Vermählungsmysterien, der Brautschaft der Kirche, Christus als Bräutigam und das Bewußtsein der Einbettung der sakramentalen Ehe darin. Also wenn man die Meßlatte so hoch ansetzte, wieviele Ehen wären dann gültig? Du hast ganz Recht, es ist gut und sinnvoll, daß sie sehr tief liegt. Es reichte völlig aus, im Vorfeld sicherzustellen, daß die Brautleute das wesentliche über die sakramentale Ehe wissen und dies bejahen.

      Desweiteren stört mich das „pelagianische Element“ einer Glaubensqualitätskategorie im Konnex mit Sakramentengültigkeit, also daß man sich die Gültigkeit sozusagen erst verdienen müßte. Und so gesehen, würde das durchaus eine Relativierung des Sakramentes implizieren.
      Und von da habe ich auch den Bogen z.B. zur Priesterweihe geschlagen, denn auch ein solcher könnte zum Zeitpunkt der Weihe größte Glaubensdefizite haben. Auch wenn Du sagst, dieses Sakrament sei gewissermaßen ein „konturierteres“ als das der Ehe, gälte doch dann hier ebenso oder erst recht der Maßstab persönlicher Glaubensreife. (das jetzt nur theoretisch, ich finde wie Du gut und richtig, daß dem nicht so ist)

      Das dritte, wie gesagt, ist das Problem der Bewertung des Glaubens durch Dritte und das auch noch rückwirkend – ich bin geneigt zu sagen, da verließe die Kirche den Bereich ihrer Zuständigkeit, ebenso imho bei irgendwelchen Prüfungen der individuellen Qualität oder Schuldfragen in einer Ehe,

      Das jetzt mal quick and dirty mit Matschbirne.

  4. Uli schreibt:

    Die Frage ist:
    Kann denn eine Papstwahl auch nichtig sein, wenn der Gewählte nicht im katholischen Glauben verwurzelt ist?

  5. Pingback: Wochenendlektüre 31.01./01.02.2015 | PTB - PAPSTTREUERBLOG

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