Kontraste de profundis

Ein ungewöhnlicher Sonntag heute: der letzte Tag der Weihnachtszeit überschneidet sich mit dem Beginn der Vorfastenzeit Septuagesima wegen des heuer frühen Termins des Osterfestes. Noch thront das Christkind im roten Mantel strahlenumkränzt über dem Hochaltar, gesäumt zu den Seiten von zwei lamettaglänzenden Bäumen. Doch die Liturgiefarbe ist violett, kein Gloria, kein Alleluja jauchzt mehr freudig dem Kind zu Ehren.

„De profundis clamavi ad te, Domine! Aus Tiefen schrei ich, Herr, zu Dir!“ fleht der Tractus vor dem Evangelium herauf zu Gott, nachdem Paulus die Seinen ermahnte, wohlgerüstet für den Wettkampf in der Arena zu sein, in der der schwer zu erringende Preis das ewige Seelenheil ist.

Doch die Gefahr des Scheiterns ist und finster und hoffnungslos dräut oft die Welt, läßt manchen taumeln und straucheln. Trakls Gedicht „De profundis“ kommt mir in den Sinn.

Ungerührt von Tractus und Trakl lächelt hoch droben das Jesuskind: seht, ich bin gekommen, euch zu retten. Ich lehre und offenbare euch, ich opfere mich eurer Sünden wegen, ich kaufe euch los, ich vergebe euch, wenn ihr vor mir bereut, ich besiege den Tod. Folgt mir nur nach. Verzagt nicht. Dann verlaßt ihr die Arena als Sieger.

Gut, daß es noch da ist das göttliche Kind: „Schenk doch Gehör dem Beten Deines Knechtes. Wenn Du die Sünden nicht vergessen könntest, Herr – Herr wer noch könnte dann bestehen? Doch Du gewährst Begnadigung; und Dein Gesetz, o Herr, gibt mir Vertrauen.“

Ja, spricht der Herr im Evangelium, folge meinem Ruf, wann immer er dich ankommt, und arbeite in meinem Weinberg. Aber bedenke: „viele sind berufen, wenige aber auserwählt“. Gut, daß es noch da ist, das Kind.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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