Ehegeflüster

Ich weiß nicht, was man daran nicht verstehen kann: wenn man den jahrtausendealten Konsens allein Europas, daß die Ehe ein Bund ist, der einem Mann und einer Frau vorbehalten ist, in einem kulturrevolutionellen Akt legislativ aufheben will, indem man, wie es jetzt geschieht, damit argumentiert, daß dies zwei Gleichgeschlechtliche, die einen Ehekonsens zum Ausdruck bringen, diskriminierte, ist es doch nur folgerichtig, daß jedwede andere personale Konstellation ebenfalls mit dem selben Rechtskonstrukt exakt selbes fordern kann. Warum sollte dieses Privileg, eine über Millenien bewahrte Tradition zu brechen, exklusiv schwulen oder lesbischen Paaren vorenthalten sein? Die saarländische Ministerpräsidentin hat nur logisch und folgerichtig gedacht.

„Some animals are more equal“ ist eines, aber „some animals are more unequal“ geht doch bei dieser Antidikriminierungsrhetorik rein gar nicht. Wenn man das eine Fundament einreißt, daß nur Mann und Frau eine Ehe schließen können, kann man dies ebensogut beim zweiten tun, nämlich der Beschränkung auf zwei Personen. Wenn es nur noch auf den subjektiven Ehewunsch ankommt, mit welchen Argumenten sollte man dann noch einem Muslim die Polygamie verweigern und mit welchem einer Gruppe von sieben sich polyamor nennenden heiratswilligen Männern und Frauen? Und warum die Verwandtenehe ausnehmen – zumindest gegen einen Bund von homosexuellen Brüdern und Schwestern lassen sich in dieser rein individualistisch-positivistischen Rechtsauffassung bei Berufung auf Diskriminierung kaum ausschließende Argumente finden.

„Ehe für alle“ wäre dann zum einen genau das, was es wortwörtlich heißt: nichts als der Konsens einer beliebigen Anzahl von Menschen, miteinander verheiratet sein zu wollen und dies bei einer Behörde zu beglaubigen. In der Konsequenz: „Ehe für alle“ meint schlicht: Aufhebung der Ehe, jedenfalls der der staatlich zivilen. (hier von Fritz Goergen in der Kolumne „Die Zivilehe, ein Auslaufmodell“ auf Roland Tychis Blog konsequent dargestellt).

Es spricht zur Zeit wenig dagegen, daß es mehr oder minder so kommen wird. Man bedauert im Westen zu Recht, daß fanatische Barbaren im Orient alte Kulturzeugnisse wegsprengen, und legt gleichzeitig selbst Hand an das noch ältere Fundament der eigenen Kultur, die Ehe und Familie. All dies, obwohl gerade mal 35000 homosexuelle Paare nach über einer Dekade in einer eingetragene Partnerschaft leben, die ja rechtlich ohnehin der Ehe nahezu gleichgestellt ist.
Es ist ein Abgrund, in welchem Ausmaß und wie nonchalant bei der tobenden Debatte um die Ehe die Tradition ignoriert wird, als ob sämtliche unserer Vorfahren Vollidioten gewesen wären, denen man nicht mal Gehör schenken müsse. Der berühmte Satz „Tradition ist Demokratie für die Toten“ aus einem Essay Chestertons, der besagt, das auch die Stimme unserer Vorfahren in einer Demokratie Gehör finden muß und zwar nicht nur in Hinblick auf ihre Fehler, sondern auch auf ihre Verdienste.
Der weise paulinische Rat „Prüfet alles, das Gute behaltet“ wird ebenfalls verworfen von all den geschichtsvergessenen „Zukunfsbesoffenen“, wie Chesterton sie nennt. Denn handelte man so, fände man keinen gewichtigen Grund, an der Ehe als Bund zwischen einem Mann und einer Frau als Institution irgendein Jota zu ändern. Und blickt man zurück in die Geschichte, erkennt man leicht, welche Geister dies bisher versuchten.
Nun mag Goergen Recht haben und die Wurzel in der Hoheitsanmaßung des Staates über die Ehe liegen, dieser erst kurzen Episode der europäischen Geschichte, die aber dennoch bis nach der Niederschrift unseres Grundgesetzes vom traditionellen und christlichen Ehebild geleitet war, so selbstverständlich, daß man Mann und Frau gar nicht erst eigens in den Artikel hineinschrieb. Nun aber sieht es so aus, daß diese Revolution auch Deutschland erfaßt und wir wohl nach dem Motto „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ verfahren müssen.

Umso mehr steht die Kirche in der Pflicht, die sakramentale Ehe wie auch ihre Lehren zum sechsten Gebot zu verteidigen, koste es, was es wolle. Das damit nicht nur Geld und weltliche Privilegien gemeint sind, sagt man hierzulande besser eigens dazu. Bleibt zu hoffen, daß die Synodenväter die unübersehbaren Zeichen der Zeit recht deuten. Zumindest bin ich gewiß, daß der Heilige Geist in aller Deutlichkeit die Unterscheidung der Geister auf dieser Synode ganz offenbar werden läßt. Die Chance und Pflicht, die Größe, Schönheit und Heiligkeit des Sakramentes der Ehe gegen laute andere Stimmen durchdringend zu verkünden, hat die Kirche in den letzten 50 Jahren gerade in Deutschland kaum überzeugend genutzt, freundlich gesagt und damit den Entwicklungen, die sie beklagt, durch Unterlassung, teils sogar durch Wohlwollen begünstigt. Im Moment muß man fürs erste zufrieden sein, wenn sie nicht kapituliert. Auch die Duldung einer regionalen Pluralität des Lehramtes wäre Teil einer solchen Kapitulation.

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