Krone der Schöpfung III

Die letzten drei Strophen des Hymnus des Heiligen Franz wurden hier anfangs nicht grundlos  zitiert. Sie fehlen nämlich in der päpstlichen Enzyklika, wo der Cantus unter Nr. 87 (S.79) zitiert wird.  [Dies ist nun mittlerweile auch anderen aufgefallen, so daß ich früher darauf eingehe, als beabsichtigt].

Noch einmal:

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

Da sich der Titel der Enyklika explizit auf jenen Hymnus bezieht, darf und muß dies durchaus erstaunen, zumal die Auslassung dieses Endes mit keinem Wort begründet wird, ja nicht einmal durch Auslassungszeichen angezeigt.

Dem Hymnus wird ohne diese drei Endstrophen quasi die entscheidende Hinführung zum Wesentlichen der Intention Franzens geraubt. Wer den gesamten Text einmal hier mit und einmal ohne den Schluß liest, hat eine völlig andere Dichtung vor sich.

Mehrere Quellen berichten, der Heilige Franz habe den Hymnus in schwerster Krankheit verfaßt. Betont wird also gerade die zeitliche Endlichkeit, nicht nur der eigenen Person und des eigenen Lebens, sondern aller Geschöpfe, der Elemente und des „geschaffenen Lichts“:

Verkürzt könnte man es so ausdrücken:

Herr, Deine Schöpfung, das Leben selbst ist so unfaßbar groß und schön. Aber ich will mein Leiden demütig tragen, auch wenn Du mich nun vielleicht abberufst. Denn letztlich kommt es nur darauf an, Dein Gericht zu bestehen.  Dann haben Tod und Vergänglichkeit keinen anteil mehr an dir.

Über die Gründe der Auslassung will ich nicht spekulieren, aber es entbehrt nicht einer denkwürdigen Ironie, daß eine päpstliche Enzyklika, der Franzens Hymnus zumindest assoziativ als Leitfaden Pate stand, ausgerechnet die  explizit christliche Wendung und Finalität dieses Hymnus unterschlägt. Trage Dein Kreuz, hoffe auf das ewige Leben. Fürchte nichts, außer der Verdammnis.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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2 Antworten zu Krone der Schöpfung III

  1. Marienzweig schreibt:

    Keine Zeit, keine Motivation, fehlende Themen, Auslandsaufenthalt, Überarbeitung, zu viele Termine oder etwa krank?
    Ich hoffe, dass es Ihnen gut geht, lieber Clamormeus!

    • clamormeus schreibt:

      Dazu bald einmal anderweitig, lieber Marienzweig. Für jetzt danke für die Nachfrage, aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Und danke auch für Kommentar 800 auf diesem Blog! Ihnen alles Gute!

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