Zum katholischen „Fashiongate“

Ein sicher für manche provokanter Beitrag unter dem Titel „Häresie der Häßlichkeit“ findet sich auf dem mir bisher unbekannten Blog Cathwalk.
Der Interviewte spitzt zu, aber es geht es sicherlich nicht um Catwalkaufbrezelei als Alternative zum -glücklicherweise auch in den traditionsverbundenen Kreisen sukkzessive abnehmenden- Frömmigkeitsdresscode der 1950er. Und die Antwort auf die Frage, was kleidungsmäßig in allen Richtungen angemessen oder eben nicht mehr angemessen ist, weiblicher- wie übrigens auch männlicherseits, ist sicherlich nach wie vor vorrangig eine subjektive, die entsprechend mitunter die inflationierte Forderung nach Toleranz im echten Wortsinne von „ertragen“ mit sich trägt. Bei mir zum Beispiel spätestens dann, wenn sommers ein in kurzen Hosen und in Sandalen steckenden Tennissocken gewandeter Mann sich nach der Messe über eine Frau mokiert, weil ihr Rock nicht das Knie bedeckt und ihre Schuhe auch einen Absatz haben; oder eine griesgrämige Dame mit ungekämmten Haaren im formlosen Dress einer dezent geschminkten hübschen, Studentin hinterhergiftet, weil die „zu aufreizend“ gekleidet sei. Und darin gebe ich Max Krah recht, dergleichen wirkt auf viele wortwörtlich abstoßend. Und seine Ausführungen zu Schönheit und Häßlichkeit sind durchaus lesenswert.

Dieser Auszug macht jedenfalls auch über jeden textilen Kontext hinaus auf ein schwerwiegendes Mißverständnis aufmerksam, das sich in den liturgisch traditionsverbundenen Szenen -bei einigen!- hartnäckig festgesetzt hat:

Wir müssen uns klar machen, dass die religiöse Welt vieler Katholiken mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zusammengebrochen ist. Diese Leute halten einfach an dem fest, was bis dahin war. Das ist nicht falsch. Aber sie dehnen es auf alle Bereiche des Lebens aus. Vor 1960 trugen Frauen keine Hosen oder kurze Röcke – also lehnen wir es auch jetzt ab. Man macht einfach aus pastoralen oder geschmacklichen Fragen dogmatische. Das ruiniert die Dogmatik, die Pastoral und den Geschmack. Schauen Sie, die Modernisten erklären jede Wahrheit zu etwas zeitabhängigem. Damit ist letztlich ein seiender Gott nicht mehr zu begründen. Die falsche Antwort zu vieler Konservativer ist es nun, jede Angelegenheit zu unveränderlichen Wahrheiten zu erklären. So wird aus Mode, die schon dem Wort nach zeitabhängig ist, plötzlich ein dogmatisches Problem. Das ist intellektuell unterirdisch und in der praktischen Konsequenz hässlich.

Mögen Kleider hierbei auch nur ein Symptom sein, und vorwiegend ein konservatives Milieu betreffen: das angesprochene Problem wäre auf vieles zu erweitern, auch auf die Verwechlung von zeitbedingten Konventionen und umfassender katholischer Tradition. Das betrifft dann alle kirchlichen Szenen und davon soll auch hier nun gelegentlich die Rede sein.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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3 Antworten zu Zum katholischen „Fashiongate“

  1. Clara Franz schreibt:

    Als Baby erkrankte ich an Kinderlähmung, musste in den Kindheits- und Jugendjahren entsprechendes Schuhwerk mit Schiene bis hoch zum Knie tragen. Dies brachte mir manche Hänselei seitens der Kinder und später auch Spott von sich cool wähnenden Jungs ein. Und so war ich sehr erleichtert, auf die Hosenmode umsteigen zu können.
    In diesem Sommer habe ich in einem Haus der Piusbruderschaft Exerzitien gemacht. Im täglichen Zweier-Gespräch kam Pater Raymond auch auf meine Bekleidung zu sprechen und fragte, ob ich nicht lieber Kleider und Röcke tragen wolle. Daraufhin nannte ich ihm den Grund und wies ihn auch darauf hin, dass nicht alles provokativ gemeint sei, was so interpretiert wird. Dies hat er dann auch so angenommen und verstanden.
    Pater Raymond ist Dominkaner, stammt aus Frankreich und lebt in einem belgischen Kloster, das die Kontemplation pflegt.
    Er gehört nicht der Bruderschaft an, seine Ordensgemeinschaft ist ihr aber freundschaftlich verbunden.
    Die Exerzitien bei ihm waren die besten, die ich je gemacht habe, freilich auch die strengsten.
    Aber es war genau das, was mich so ungeheuer beeindruckt hat. Und gestärkt haben sie mich zudem. Mit Sicherheit werde ich wieder einmal hingehen.
    Ob in Hosen oder im Rock – das weiß ich heute noch nicht.
    Eines habe ich durch das Gespräch bei Pater Raymond zusätzlich gelernt: Man sollte dazu stehen, ein körperliches Manko zu haben. Es muss nicht versteckt werden. Dann erübrigt sich die Frage: Hose oder Rock!

    • konerad schreibt:

      Sehr geehrte Frau Franz,

      heute hat man ja den Eindruck, daß eine Frau einen Antrag in siebenfacher Ausfertigung stellen muß; um einen Rock tragen zu dürfen. Und das Geschlamp, das heute Mode ist, …

      Ich bin etwas überdimensioniert um die Hüften herum, also ein Mann mit Bauch. Weil unterhalb einer Rundung nichts so richtig halten will, trage ich Hosenträger. Ich bin der Meinung, daß es nichts Positives bringt, wenn man seine nicht ganz idealen körperlichen Formen bloßlegt. Glauben sie, daß ein Mensch auf den Gedanken kommt, wenn er meinen die Unterbauchhose überquellenden Bauch sieht, Gott zu bitten.daß er mir ein angemessenes Maß an Nahrungsaufnahme vermitteln möge.

      Also nix Unterbauchhose, dafür Hosenträger, um das Wohl meiner Mitmenschen nicht zu stören.

  2. konerad schreibt:

    clamormeus, eine Vorhaltung, aber
    ich will nicht behaupten, daß ich dafür eine vollständige Antwort habe.
    Warum hat Gott im AT vorgeschrieben, daß Mann und Weib unterschiedlich gekleidet zu sein haben? Warum war im Judentum im Gottesdienst die Trennung von Männern und Weibern zwingend? Bis hinein in den Abendmahlsaal! Warum sitzen in Syrien die Weiber in der Kirche hinten? Und warum gab es in Europa die Männer- und die Weiberseite? [In Wemding übrigens gegen das Übliche rechts zur Ehre der Frauen, weil diese mit ihren Pantoffeln den protestantischen Prediger zur Kirche hinausgetrieben haben].Ja, Warum wohl?

    Gott kennt uns genau, er weiß um unsere Verfaßtheit, die zwar jedem irgendwie geläufig ist, aber konstant ignoriert wird. Der Mann sieht die Frau immer als Weib, sobald sie sich entsprechend präsentiert. Seine Augen sind geeicht auf weibliche Rundungen.

    Als ich zur Papstmesse auf das Olympiastadion zuging, kam ich an einer Gruppe junger Mädchen vorbei. Gekleidet in Dirndl waren sie ein Leuchtpunkt im Grau der anderen Besucher. Eine helle Freude! Die Kleider erregen die Aufmerksamkeit, erzeugen Wohlgefallen, halten aber den Blick das Mannes nicht fest, sondern lassen ihn das Gesicht betrachten, auf das es schließlich ankommt.

    Zur Abrundung: Ich gehe am Sonntag nicht in die Kirche, um von Arschbacken in engen Hosen ständig optisch belästigt zu werden. Ich bin ein Mann und so geprägt.

    Das (junge) Weib Maria empfing den Sohn Gottes, zog ihn als Mutter auf und ist als Frau aller Völker für uns alle die Mittlerin.

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