Meinen Lesern ein Gutes Neues!

Auch in Jahren wie diesen, wo zu düsterem Dräuen so viele zum Ordnen Berufene sich mit im Veitstanz drehen, das Lied der gemeinsamen Werte schmetternd, während jeder gegen jeden keilt und giftet, geht das Leben weiter. Auch das kirchliche.
So erzähle ich noch vom ausklingenden Kirchenjahr. Zu Allerheiligen hatte mich ein Infekt geschwächt, ich behalf mir erstmals mit einer im Livestream übertragenen Feiertagsmesse statt selbst in einer Kirche zu sein. Eine schwache Krücke fürwahr, aber eines hätte ich wohl anderweitig versäumt, eine wunderbare Predigt von einem französischem Priester in geschliffenem Deutsch. Er hob an mit den schweren Kämpfen dieser Tage, den Anfeindungen und Anfechtungen des Glaubens aller Art. O ja, es zerrt und zieht aus allen Ecken.

Den Kämpfen, weiß der Prediger, kann man nicht ausweichen,man muß sich stellen. Aber man soll nicht kämpfen, wie es unsere Feinde tun. Und überhaupt nicht mit allzumenschlichen Mitteln. Er schlug den Bogen zum Christkönigsfest, daß im alten Kalender sonntags zuvor gefeiert wurde. Christus hat all diese Kämpfe gewonnen, und für immer triumphiert. Ihn sollen wir in uns und ihn durch uns siegen lassen. Nie vergessen, daß wir nicht allein sind, daß die leidende und die triumphierende Kirche stets mit uns ist. Und am Ende wird nurmehr die triumphierende Kirche sein.
In dieser haben die Heiligen schon Wohnstatt. Und wir daran Anteil, wenn wir sie feiern. Die Skandalisierer der Heiligenverehrung, die Gottes Majestät durch Menschenverehrung verdunkelt wähnen, haben Unrecht. Denn, so der Prediger, wenn Gott es nicht nur gefiel, sie zu retten, sondern auch, ihnen die Gabe der Fürsprache für die streitende Kirche zu schenken, wäre es töricht, sie nicht anzurufen.

Nachmittags kann ich mich wieder zu einem Spaziergang aufraffen, um am nahen Friedhof für meine Toten zu beten und die kleine Kirche dort aufzusuchen. Dort treffe ich zufällig die Pfarrgemende des Stadtteils an, mehrere Priester halten eine feierliche Andacht, dann ziehen die rund 200 Gläubigen singend und betend um die mit roten Lichtern geschmückten Gräber. Das Tröstliche dieses ganz eigentümlichen Ernstes wird angehoben durch das strahlende Blau des Himmels.

Tags darauf eile ich morgens zum Allerseelenamt in die Pfarrkirche der Innenstadt. Nach dem gestrigen Ausblick nach oben, zum verheißenen Ziele hin, heute die Mahnung: du hast es noch nicht errreicht. Über die große schwarze Tumba vor dem Altarraum hinweg, muß der Blick zum Tabernakel wandern. Ja, hier sind wir, der Tod ist zu bestehen. Und keiner kennt die Stunde. Mitringen mit der Sequenz des Requiems: „Wenn selbst der Gerechte zittern muß. wie soll ich Armer bestehen?“ und mitflehen „Herr, laß Deine Mühen doch an mir nicht vergebens sein!“ Bangen. Und Hoffen. Und beten für die, die hier nicht mehr unter uns sind. Ein Scharlatan, wer uns dies rauben will, den Blick auf ewig strahlenden Triumph, das Zittern vor dem ungewissen Augenblick.

Diesmal will ich eifrig sein, alle acht Ablässe vollständig für die Toten im Fegfeuer gewinnen. Einmal will ich es endlich ganz schaffen. Acht mal Friedhöfe besuchen und für die Toten beten, für die, die man kennt, oder von denen man von Freunden gehört hat; für jene, für die hier vielleicht niemand betet. Und für die, die jetzt gerade oder bald sterben, viele von ihnen plötzlich und unerwartet. Das kleine Opfer, zu dem auch acht Messen mit Kommunion gehören, wird zum großen Gewinn. Nur eine gute Stunde je Tag alles in allem, und das in einer Stadt, wo man zu jeder Tageszeit eine Messe feiern kann – was stelle ich mich manchmal doch an. Aber diesmal gelingt es. Nur die Beichte mußte noch eine Woche warten.

In all den Stürmen und Schrecken, in all dem blutrünstigen Treiben, all dem lärmenden Wortgerausche dieser Zeit, wo jeder jeden mit ultimativen Appellen anherrscht, und die Getriebenen dem anderen jede Ruhe, jeden Anker, jedes Eigene, jede Wurzel zu rauben trachten -ist es nicht wunderbar, daß dies alles dennoch möglich ist? Eine Gnade, hier zu leben. Lange bin ich an ihr vorbeigerannt.

Und wo immer ihr seid, liebe Leser und Leserinnen, Euch allen einen schönen Advent und ein gesegnetes, hoffnungsvolles, unversehrt behütetes neues Kirchenjah. Laßt Euch nich irre machen und Dank für Eure Treue!

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3 Antworten zu Meinen Lesern ein Gutes Neues!

  1. theresia_viasvitae schreibt:

    Aus Paris dieselben Wünsche zurück!

  2. Pingback: Adventsbeginn in Paris | viasvitae

  3. Frischer Wind schreibt:

    Vielen Dank und auch Dir und allen anderen Lesern einen gesegneten Advent und Gottes Segen im neuen Kirchenjahr!

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