Verteidigung des verleumdeten Hoteliers zu Bethlehem.

Nein, nicht ganz Bethlehem hatte in der heiligen Nacht die heilige Familie abgewiesen, sondern nur der dortige Hotelier. Er beschied dem Paar, daß er ausgebucht sei. Das Evangelium sagt nicht, er habe gelogen. Also kann man das doch so stehen lassen, statt diesen womöglich honorigen Gastronomen posthum zum Urbild aller xenophoben Hartherzigkeit umzudichten. Muß man aber wohl, wenn man neuerdings auch den Appell, zur Volkszählung in seiner Geburtsstadt zu erscheinen, was eben für Josef als Familenoberhaupt, nuneinmal Bethlehem war, zu Flucht und politischer Verfolgung verdreht. Falsche konstruierte Prämissen kreiieren viele Ungeheuer.
Und wirklich abgewiesen hat der Wirt das Paar ohnehin nicht, sondern ihm den Stall angeboten und einige Decken, Getränke, Wasser und eine Lampe hat er vielleicht auch noch bringen lassen. Möglicherweise hat sogar seine Magd oder die Concierge bei der Geburt assisitiert. Das will ich jetzt sogar ausdrücklich annehmen, irgendjemand muß ja für diesen armen Kerl mal ein gutes Wort einlegen, wenn er jetzt hundertfach in Predigten und Hirtenworten als herzloser, unchristlicher Fremdenabweiser verleumdet wird.

Plausibilitäten für den Zimmermangel ließen sich viele finden, die plötzliche Ankunft einer asiatischen Touristengruppe im Dorf ist eher eine ebenso unwahrscheinliche wie die Belegung durch die Israelische Hohepriesterkonferenz zur Planung eines strukturierten Dialogprozesses. Der Zensus zog vermutlich mehrere hier Gebürtige von auswärts her, das Paar war vielleicht etwas später dran, weil die Hochschwangere viele Pausen brauchte. Und sicher ist sogar, daß die Versorgung Nazareths mit schnellem Internet damals noch nicht sichergestellt, und es so mit Vorabbuchungen etwas schwierig war.

Es braucht aber gar keine Plausibilitäten für den Stall, der sogar schlicht auch ein Gesindehaus nahe der Viehherde gewesen kann, wie Historiker, zum Beispiel Michael Heesemann, vermuten, was u.a. aus dem Umstand geschlossen wird, daß es offene Stallungen, die auf hiesigen Bildnissen der heiligen Nacht immer so romatisch wirken, in der Region gar nicht gab.
Gott hat es so beschlossen, daß sein inkarniertes Wort jenseits allem sozialen Status geboren werde. Kein Palast, keine bürgerlich gute Stube und auch keine Favela oder Turnhalle sollte es sein. Schließlich wird er bald sagen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
Der Stall ist Teil göttlicher Offenbarungsbildsprache. Ebenso wie es nicht zufällig Hirten sind, die auf Offenbarung des Engels direkte Zeugen des himmlischen Jubels über den Menschgewordenen sein sollen.
Und wo aber zur Weihnacht statt über böse Fremdenfeinde die unsägliche Floskel „Gott auf Augenhöhe mit den Menschen“ bemüht wurde: es waren drei wohlhabende Magoi aus dem Morgenland kurz darauf, die als erste wußten, wie das am ehesten geht: sie knieten nieder, machten sich klein, beteten das Kind an, brachten Opfer dar.

Verweisen darf ich noch auf meinen Beitrag zu selbem Thema vor genau einem Jahr. Bitte hier entlang.

Genug der unnützen Worte.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Tagesgedanken abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Verteidigung des verleumdeten Hoteliers zu Bethlehem.

  1. Clara Franz schreibt:

    Clamormeus, im Namen des unbekannten „Hoteliers zu Bethlehem“ möchte ich Ihnen für Ihre Ausführungen und für den etwas anderen Blickwinkel, den Sie dabei eingenommen haben, danken.
    Sie erwähnen u.a. die Hirten.
    Auch der zelebrierende Priester -Modernist, gehörte als Mitinitiator zur Gruppe der rebellischen Priester der ED Freiburg, ehemals Dekan der SE, inzwischen im Ruhestand- sprach von ihnen in seiner Predigt zur Christmette. Aber wie!
    In einer Weise, die mich zornig, aber vor allem auch fassungslos machte.
    Er unterstellte ihnen die Nähe zu Sodomie. Von welchen Bibelforschern er wohl diese Weisheit hat?
    Was, wenn nun die anwesenden älteren Kinder ihre Eltern gefragt haben, was wohl Sodomie bedeutet?
    Dachte er, Heiligabend wäre der rechte Zeitpunkt, sie darüber aufzuklären.

    Doch dies war nur ein Punkt seiner insgesamt haasträubenden, destruktiven, anti-weihnachtlichen Predigt. Unsere Familie ging vorzeitig.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s