Nebengedanke zu Ostern

In München gibt es keine Ausreden. Die Fülle ist groß. In prächtigen Kirchen strengen sich Priester, Meßner, Altardienste, Musiker, Scholen und Chöre an, Tage wie das heilige Triduum jetzt, in Würde und Schönheit zu zelebrieren. Die Gläubigen tun das Übrige, und sie kennen auch jene Gotteshäuser, in denen man nie Liturgieverstöße,tagespolitische Larifaripredigten oder Laientamtam befürchten muß. Und sie strömen zahlreich. Etliche pilgern, wie gestern, morgens von der einzigartigen Trauermette der Dominikaner zur Andacht zu den letzten sieben Worten des Herrn nach St. Peter oder zum Kreuzweg mit Gebeten und Betrachtungen vom Papst emeritus oder anderswo hin. Die Auswahl nachmittags bei der Karfreitagsliturgie ist groß, auch der ältere römische Ritus ist vertreten, und auch hier sind die Kirchen voll. Am Karsanstag war es wieder so,frühs bei den Metten und Anbetungen des Heiligen Grabes,abends zur Feier der Osternacht, sie werden fast überquellen. Auch in den Stadtteilkirchen und bei den hier zahlreichen ausländischen Missionen. Und am Ostersonntag und Ostermontag werden dutzendfach festliche Komponistenmessen erklingen.
Aber auch sonst sind sonntags die meisten Kirchen sehr gut gefüllt und selbst die vielen Werktagsmessen ziehen erstaunlich viele an. Es wird nichts weniger hier, was das betrifft. Im Gegenteil: dort, wo es im Meßritus um Gott geht und man die Formen in Schönheit und Tiefe erklingen oder sprechen läßt, verjüngt sich die Schar sichtbar.
Es gibt hier jedenfalls alles,und jeder weiß bald, wo er es findet, und kennt auch die Kirchen,die er meiden möchte.

Und dennoch, auch zu Ostern, das Draußen. Wo immer noch viel mehr strömen, die nichts wissen von Feiertagen und Festen, oder Katholiken, die es nicht mehr wissen wollen. Und wie gesagt, in dieser Stadt verfängt es nicht, daß zu schlampig zelebriert werde, der Glaube nicht oder verwässert verkündet, daß das Bußsakrament vernachlässigt sei. (Das gibt es hier schon auch, aber eben nur auch).

Und das läßt mich zweifeln,ob man darüber allzu betrübt sein sollte.Ich lasse mich jedenfalls von der seit einigen Jahren grassierenden Missionaritis nicht anstecken. Ich tue in meinem Bekanntenkreis, was mir zukommt: ich bekenne den Glauben, ich versuche auskunftsfähig darüber zu sein bei Fragen oder auch zur Widerlegung von Anwürfen. Ich bin dabei nicht aufdringlich, aber beantworte stets jedem jede an mich gestellte Frage dazu, die ich beantworten kann.
Die ganzen Konzepte der ¨niederschwelligen¨ Zumutungen ziehen keinen zum Glauben, ebensowenig das hilfsbereite Nett- und Gutsein zu anderen. Aber auch umgekehrt gilt: auch die würdigsten und schönsten Liturgien, die profundesten Katechesen und innigsten Andachten tun das kaum.
Und damit sollte man sich nicht beschweren. Ich weiß es durch mein eigenes Leben: all das war hier da auch schon in den Jahren, als ich blind vorbeilief, vielleicht nicht in der jetzigen Überfülle, aber es war da. Und auch die Gläubigen waren hier, aber ich habe keinen gefragt. Der ein oder andere hat sicher für mich gebetet, für mich persönlich oder für ¨Leute wie mich¨. Das tue ich nun auch öfter. Und ich bin da, bei irgendjemandes Anruf.
Ich selbst also bin jahrelang vorbeigegangen,und selbst das Sacrum Triduum erreichte mich nicht. Der Verrat an Christus,die Einsetzung der Eucharistie,sein Leiden in Getsemani,sein Kreuzweg und Tod, seine Auferstehung, sein Triumph: es war nichts mehr präsent davon in mir, und ich tat sonstwas oder fand höchstens die Leute mit den Osterkerzen schön, die ich beim Heimweg aus einem Lokal sah. Nur ein ungreifbar beunruhigender Anflug schlechten Gewissens streifte mich dabei.
Und heute weiß ich es ja: alles war da, und es lag allein an mir. Ich verweigerte mich. Und dann reichte ein Anklopfen und eine kleine Standhaftigkeit – und die Füllhörner Gottes Gnade öffneten sich für mich. Und diese wunderbare Geschichte ist alles andere als eine einzigartige. Unzählige kennen sie als die eigene.
Und wenn ich nun etwas erschöpft aber glücklich aus der Feier der heiligen Woche heraustrete und die sehe, die mit klammen Blicken auf meine Osterkerze schauen wenn ich ihnen Gesegnete Ostern wünsche, dann bete ich für sie und werde jedem, der mich irgendwie braucht versuchen hilfreich zu sein. Mehr kann ich nicht und mehr muß man auch nicht. Es ist alles da. In Fülle. Nur danach rufen muß man selbst.

Über clamormeus

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2 Antworten zu Nebengedanke zu Ostern

  1. Marco Gallina schreibt:

    Ganz ähnliche Gedanken hatte ich am gestrigen Mittag auch, bester clamormeus. Auch mir scheint, dass seit einiger Zeit etwas ganz zahm, aber unweigerlich „ins Rollen“ kommt. In diesem Sinne: ein gesegnetes Osterfest!

  2. clamormeus schreibt:

    Ist herzlich erwidert!
    Und danke für’s Vorbeischauen hier!

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