Ausgerechnet Silvester

Zwischen den Jahren. Stehende Redewendung für die Zeit zwischen dem Fest der Geburt Christ und Neujahr.

Ein Christ könnte auch vom Ersten Adventssonntag an zählen. Dann wäre die Zwischenzeit jene, die von Adventsbeginn und dem Ersten Januar des folgenden Kalenderjahres liegt. Die Spanne zwischen dem Beginn des liturgischen und dem des bürgerlichen Jahres also. Das ist zwar niemandes Brauchtum und klingt in der Verbindung von sakralem und profanen Jahr nach spitzfindigem Aggiornamento; doch gewährte es den Vorteil, dieses „Zwischen“ von derzeit einer auf gut vier Wochen zu verlängern. Und Zeit zu gewinnen, Zeit, die sich dem Räderwerk des kollektiven sozialen Betriebs entzieht, ist viel. „Aufhalten“, ist nicht nur die vorrangigste Aufgabe der Politik, wie der kürzlich verstorbene große Robert Spaemann sagte. In diesen weltlich politisch unsäglichen Zeiten, in denen auch weite Repräsentanz unserer Kirche eher Teil arger Probleme aber nicht im geringsten Teil der Lösung ist, brauchen wir wohl alle Atempausen und sollten auf unsere Art Sand im lärmenden Getriebe sein, um sie uns und anderen zu verschaffen.

Nun ist man derzeit gewißlich denkbar weit von einer Renaissance katholischer Heiligenfeste in weiten Volksschichten entfernt. Aber unverwüstlich feiert Deutschland, feiert man in vielen Teilen der Welt Sylvester.

Aber daß der Name Sylvesterfeier immer noch unangefeindet in Gebrauch ist, erfüllt dann doch mit einer ganz eigenen Freude. Die Oberfläche, nämlich daß der letzte Tag des bürgerlichen Kalenders eben kirchlich der Gedenktag des Heiligen Silvester ist, mag zwar hier und da dem feiernden Volk noch halbwegs geläufig sein. Aber wer weiß denn schon, wer dieser Mann war?

Er wurde im 3. Jahrhundert A. D. in Rom geboren, war Katholik, Priester und als solcher wurde er Bischof und schließlich Papst, von 314–335. Nicht irgendeiner. Etwas unterschied ihn von 31 Vorgängern: er starb nicht wie alle diese als Märtyrer, wurde also nicht wegen seines Glaubens ermordet, obwohl lange Zeit deswegen verfolgt wurde. Der erste Papst also, der in diesem Punkt nicht Nachfolger Petri war; ein ProtoNICHTmärtyrer wenn man so will.

Ein gewisser Konstantin war daran nicht unbeteiligt. Eben jener, der vor der Schlacht an der Milvischen Brücke der Vision vom Kreuze folgte. „In hoc signo vinces!“ Und das tat er dann auch in diesem Zeichen, er siegte militärisch, wurde römischer Kaiser, ließ sich dann überzeugen, die Christenverfolgung im römischen Reich zu beenden und per Mailänder Edikt Religionsfreiheit zu gewähren und von Silvester taufen.

Wir feiern Silvester. Das hat schon eine ganz eigene Ironie: Die atheistische Linke bis hin zu Intersektionalen Feministen -wenn Sie nicht wissen, was das ist, schätzen Sie sich glücklich, das muß man nicht wissen, googeln Sie nicht!- feiern im Namen eines uralten weißen Mannes, Nichtchristen huldigem einem Katholiken, Protestanten und andere Antipapisten stoßen auf einen Pontifex Maximus an, und der jeden Triumphalismus geißelnde katholische Progressismus auf den Veranlasser des Baus prächtiger monumentaler römischer Kathedralen- alles in allem: man feiert die konstantinische Wende! Die Ära, die Roms Aufstieg zum Mittelpunkt der katholischen Kirche begründete und die jene Epoche einleitete, die Nicolás Goméz Dávila wohl meinte als er sagte: „Der Katholizismus ist die Zivilisation des Christentums“

Und jetzt Hand aufs Herz: wieviele traditionsverbundene Katholiken, die wissen wer St. Silvester und für was er steht, entziehen sich den Sylvesterfeierlichkeiten, weil sie ihnen zu weltlich dünken! Noch nicht einmal die klammheimliche Freude, daß alle anderen ausgerechnet Silvester feiern vermag in ihnen zu erglimmen. In diesem Wissen könnte man doch auf die ein oder andere Art  mitfeiern? Nun gut, die Welt steht kopf, aber jeder bleibe frei.

Denn wenn schon im Namen des Heiligen Silvester etwas Kommendes gefeiert wird, kann es sich nur um die Hoffnung auf eine Wende handeln. Eine konstantinische wird es diesmal eher nicht sein. Aber ist nicht auch die profane aber urmenschliche Hoffnung auf ein möglichst gutes, ein besseres neues Jahr nicht auch ein Abglanz auf die letzte endgültige Wende? Die Wiederkunft Christi, die mit der Zerstörung dieser Welt und dieses Daseins einhergeht und gleichzeitig in eine neue, unwiderruflich ewig unvorstellbar bessere Welt münden wird?

Vollends in Predigen geraten wollen wir nicht. Bewahre. Wir bleiben für heute ein paar Nummern kleiner. Ihnen, Euch, Dir werte Leserschar, einen besinnlichen Ausklang dieses überaus dichten 2018. Einen gelingenden Rutsch in ein wohl ebenfalls kaum sanft plätscherndes neues Kalenderjahr.

Mag man es nun krachen lassen oder sich lieber andächtig verbergen: Seid, Seien Sie dabei laut oder leise genug, daß niemand auf die Idee kommt, für nächstes Mal eine Jahreszahlumwandlungsfeier vorschreiben zu müssen im Namen all dieser öden falschen totalitären Korrektheiten.

Allen hier von Herzen ein gesegnetes, gelingendes 2019! Heiliger Silvester, bitte für uns!

 

 

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